Weiße Klimaschützer vertreiben schwarze Kleinbauern

Martin Schemm  / pixelio.de

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Klingt doch zunächst mal gut: Bäume pflanzen in Afrika, um damit CO2 aus der Atmosphäre zu binden. Es werden doch ohnehin ständig Regenwälder abgeholzt. Da ist es nur gut aufzuforsten. Oder ist es doch nicht so gut wie einer der Betroffenen meint: Sind es „reiche weiße Leute, die Geschäfte machen“ und den Kleinbauern das Land nehmen?

Die Geschichte

Es gibt eine Fa. Global Woods International AG in Münstertal bei Freiburg. Seit dem Jahre 2002 pflanzt diese Bäume in Uganda. Bis heute sollen es 6 Millionen Bäume auf 12.000 Hektar sein.

Aber was sieht man vor Ort? Keinen Regenwald, sondern eine schlichte Kiefernplantage, Kiefern in Reih und Glied. Kiefern gab es vor dieser Anpflanzung nicht. Es wachsen dort sonst Mangos, Bananen, Akazien und anderes. Dazu gibt es Antilopen, Affen, Buffalos, Vögel und Insekten.

In der Kiefernplantage sieht es dagegen eher aus wie in einem stummen Frühling. Dies könnte auch an den Herbiziden liegen, die dort versprüht werden. Jedenfalls beklagen die Viehhirten der Umgebung, dass ihre Tiere erkranken und missgebildete Kälber gebären, wenn sie die Plantage betreten. Zudem nehme die Plantage die Flächen weg, auf denen sie bisher ihr Gemüse angebaut haben.

Dabei hat die Plantage natürlich ein Umweltlabel, noch dazu ein sog. anspruchsvolles, erhalten, den sog. Gold Standard. Dieser wurde von verschiedenen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im Jahre 2003 gegründet, u.a. vom World Wildlife Fund (WWF). Heute wird er weltweit von ca. 80 NGOs und den Vereinten Nationen unterstützt.

Ob dieser Standard eingehalten ist, hat der TÜV Süd geprüft.

Ausgewählt wurde u.a. das Land der Familie Kamonyo. Machen wir es kurz, das Haus der Familie ist abgebrannt, die Kinder wurden geschlagen und der Herr des Hauses festgenommen. Ja, er erfrechte sich, sein Land, auf dem er seine Rinder weidet und Gemüse anbaut, nicht einfach aufgeben zu wollen.

Er ist 65 Jahre, spricht kein Englisch und kann seinen Namen kaum schreiben. Seine Familie lebt seit langem von der Viehhaltung, eine Schule haben die wenigsten von innen gesehen. Er meint: „Ich habe nichts gegen Wald, wenn er ein richtiger Wald ist, in dem man leben und arbeiten kann“.

Gold Standard äußerte sich auf Anfrage dahin, man führe eine Untersuchung über die Vorfälle durch. Global Woods hat sich zu den Vorfällen nicht konkret geäußert, „Gespräche über eine Wiedergutmachung“ seien noch nicht abgeschossen. Lediglich zu den Herbiziden wurde gesagt: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen dem von uns verwendeten Pflanzenschutzmittel und dem Verenden von Kühen“.

Die Rechte am Land scheinen unklar zu sein. Sowohl Global Woods als auch die Kleinbauern haben einen Pachtvertrag. Global Woods hat natürlich die besseren Karten. Denn Land- und Viehwirtschaft sind innerhalb eines sog. „Forest Reserve“ in Uganda nicht zulässig. Demzufolge werden die Kleinbauern regelmäßig von der Polizei festgenommen.

Eine Kiefernplantage dient natürlich auch dazu irgendwann das Holz zu ernten und zu verkaufen. Außerdem sollte mit dem Verkauf von CO2 Geld verdient werden. Dies geht mit sog. Emissionszertifikaten. Nach der Projektdokumentation sollen mit den Bäumen in 60 Jahren ca. zwei Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Die Zertifikate werden mit der Pflanzung der Bäume erteilt. Sie können jederzeit verkauft werden, auch wenn die Bäume wieder gefällt werden.

Im Moment ist deren Preis zwar im Keller. Aber mit dem an diesem Wochenende in Paris vereinbarten Klimavertrag werden sie wieder im Preis steigen.

Fazit

Weiße Umweltschützer führen sich immer wieder auf wie Kolonialisten, an deren Wesen die Entwicklungsländer genesen sollen. Ich erinnere nur an die Schäden, die Greenpeace bei den Nazca-Linien in Peru angerichtet hat.

Und sie verbünden sich mit den einheimischen Eliten gegen das gemeine Volk, das zu dumm ist, die Segnungen der Weißen zu verstehen. Und wieso bloß fallen mir jetzt die Sklavenschiffe ein, die nach der Entdeckung Amerikas über den Atlantik schipperten?

Aber jetzt nicht alle Umweltschützer über einen Kamm scheren. Auch bei ihnen gibt es anständige Leute.

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