Neues vom Bienensterben (12.04.2015)

Am 22.12.2013 habe ich zuletzt über Neonicotinoide und einen etwaigen Zusammenhang mit dem Bienensterben berichtet. Damals wurde für den Zeitraum von zwei Jahren von der EU-Kommission der Einsatz von drei Wirkstoffen teilweise verboten.

Es gibt nun eine neue Studie hierzu von der Easac, dies ist der Verbund der nationalen Wissenschaftsakademien der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU). In dieser wird eine Mitverantwortung bestimmter Stoffe, insbesondere der Neonicotinoide, für das Bienensterben festgestellt.

Die Studie führt aus, dass vom Einsatz dieser Insektizide außer Bienen auch sonstige Bestäuber wie Motten oder Schmetterlinge betroffen sind. Ebenso Vögel, die Insekten fressen.

Die Studie befürchtet deshalb ein Bestäubungsdefizit mit der Folge geringerer Erträge. Drei Viertel der auf der Welt gehandelten Nutzpflanzen sind auf eine Bestäubung angewiesen.

Zuletzt hatte im Juni 2014 eine Forschergruppe eine andere Studie veröffentlicht in der sie mehr als 800 Einzelstudien untersuchte. Sie kam zu dem Ergebnis, dass die Anwendung von Neonicotinoiden beendet werden sollte. Diese seien gefährlicher als das bereits seit 1977 verbotene DDT.

Neonicotinoide verbleiben demnach, anders als sonstige Pestizide, nicht auf den Blättern der Pflanzen, sondern verteilen sich überall in dieser, so in die Wurzeln, den Stamm und in Nektar und Pollen. Somit können sie viel leichter von Tieren aufgenommen werden.

Die EU-Kommission hält deshalb das Verbot aus dem Jahre 2013 weiter aufrecht und will bis Mai 2016 weitere wissenschaftliche Ergebnisse sammeln.

In Presseberichten habe ich gelesen, dass der Verband der europäischen Pflanzenschutzmittelhersteller die Easac-Studie als voreingenommen, irreführend und selektiv kritisiere. Leider habe ich dazu auf der Webseite des Verbandes nichts gefunden. Die dortigen Mitteilungen sind Stand heute (12.04.2015) alle älter als das Veröffentlichungsdatum der Studie, die Eingabe von „Easac“ in die dortige Suchfunktion ergab keinen Treffer.

Gibt man „Easac“ auf der Webseite von Bayer ein, wird man auf deren holländische Seite verwiesen, aber mein holländisch reicht hierfür leider nicht. Bei BASF gibt es keinen Treffer. Dasselbe gilt für die Webseite von Syngenta.

Dies ist schade, da diese Firmen bereits gegen das vorläufige Verbot geklagt haben, aber leider der Öffentlichkeit nicht mitteilen, worauf sie sich stützen. Ich kann deshalb nicht beurteilen, ob die Auffassung der Hersteller plausibel ist.

Man scheint an der Vorstellung festzuhalten, dass es reicht althergebrachte Lobbyarbeit zu betreiben, obwohl man damit zumindest im konkreten Fall gescheitert ist. Die Mobilisierung der Öffentlichkeit überlässt man lieber den Umweltverbänden.

Es ist schlicht dumm, was die Hersteller und ihr europäischer Verband tun. Sie zwingen einen zu dem Schluss, dass ihre Argumente schwach und die Studien inhaltlich richtig sind.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.