Hirne von Bienen und Kleinkindern (22.12.1013)

Was haben die Hirne von Bienen und Kleinkindern miteinander zu tun? Es sieht so aus, als würden beide durch Neonicotinoide geschädigt. Neonicotinoide sind Pestizide. Pestizide werden vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt, um die Gesundheit von Kulturpflanzen zu erhalten und ihrer Vernichtung durch Krankheiten und Schädlingsbefall vorzubeugen.

Die Neocotionoide sind ja seit langem Thema im Zusammenhang mit dem Sterben von Bienenvölkern in den letzten Jahren.

Neonicotinoide werden über die Wurzeln aufgenommen und in die Blätter transportiert. Sie werden in der Pflanze nur langsam abgebaut, so dass ihre Wirkung längere Zeit anhält. Auf Insekten wirken Neonicotionoide dadurch, dass sie in die Nervenreizleitung eingreifen. Es kommt zu einem Dauerreiz, der schlussendlich zum Tode führt.

Es gibt viele Untersuchungen dazu, wie sich Pestizide auf Insekten, insbesondere Bienen auswirken. Leider ist kaum erforscht wieviel die Bienen aufnehmen, wenn sie zum Sammeln von Honig unterwegs sind.

Es gibt nun eine Untersuchung des Bee Research Laboratory in Beltsville im US-Staat Maryland. Dort wurden die Pollen verschiedener Bienenstöcke analysiert.

Danach enthielt eine Pollenprobe im Schnitt neun Pestizide, der Maximalwert waren 21 Pestizide. Insgesamt konnten 35 verschiedene Pestizide festgestellt werden. Herbizide waren in ca. einem Viertel, Insektizide und Fungizide in jeder Probe enthalten.

Die Ergebnisse über die Schädlichkeit waren unterschiedlich, insbesondere wirkten verschiedene Mittel unterschiedlich. Interessant ist jedoch, dass besonders schädlich offensichtlich Mittel waren, die nicht aus der Umgebung stammten, sondern von den Imkern zur Bekämpfung der Varoba-Milbe in den Bienenstock eingebracht wurden. Besonders schädlich war auch ein Fungizid (Pilzbekämpfungsmittel) gewesen.

Eine weitere Untersuchung der University of Dundee in Schottland ergab, dass die Neonicotinoide sich auf das Hirn von Bienen auswirken. Frühere Forschungen hatten festgestellt, dass sie die Orientierungsfähigkeit, die Lernfähigkeit und damit den Erfolg beim Pollensammeln beeinträchtigen. In der jetzigen Untersuchung wurden Konzentrationen eingesetzt, die die Bienen in der Natur vorfinden. Und es zeigte sich, dass Nervenzellen lahmgelegt wurden, so dass diese keine Impulse mehr weiterleiten konnten. Und auch sie stellten fest, dass Mittel zur Bekämpfung der Varobamilbe die Funktion der Hirnzellen ebenfalls beeinträchtigten. Beide Effekte addieren sich.

Dies bedeutet, dass hier noch sehr viel Forschungsbedarf besteht und man sich nicht nur auf eine Klasse von Pflanzenschutzmitteln beschränken darf. Dies wird auch von den am „Deutschen Bienenmonitoring“ beteiligten Wissenschaftlern bestätigt. Sie schreiben in einem Bericht über Ihre Ergebnisse der Untersuchung des sog. Bienenbrotes:

„Zwar wurden keine direkt bienentoxischen Konzentrationen nachgewiesen, jedoch
gibt der Nachweis des Cocktails an Pflanzenschutzmittelrückständen in Pollen Anlass, die kombinatorische sowie chronische Wirkung der Substanzen auf Bienenvölker zu untersuchen. Hierzu sind gezielte Experimente notwendig.“

Seit dem 01.12.2013 sind nun drei Wirkstoffe in Europa teilweise verboten. Sie dürfen nicht mehr bei Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle für die nächsten zwei Jahre verwendet werden. In diesem Zeitraum sollen die Wirkungen des Verbots wissenschaftlich untersucht werden. Danach soll neu entschieden werden.

Und jetzt komme ich zu dem Grund, der mich zu diesem Beitrag veranlasste. Es gibt eine weitere Untersuchung, die sich mit dem Einfluss auf Menschen befasst und zu dem Ergebnis kommt, dass Neonicotinoide das im Wachstum befindliche Hirn von Kindern beeinflussen. Dies haben japanische Forscher in Tierversuchen festgestellt.

Es geht um zwei Stoffe, die die Entwicklung von Neuronen im Gehirn und die Bildung von Hirnstrukturen, die mit Lern- und Gedächtnisfunktionen zu tun haben, negativ beeinflussen.

Die Lebensmittelbehörde der EU hat daraus bisher den Schluss gezogen, dass die Grenzwerte für diese Stoffe herabgesetzt werden sollen. Sie empfiehlt zum einen weitere Studien und schlägt vor, dass vor der Zulassung neuer Mittel zukünftig Studien vorgelegt werden müssen, ob deren Substanzen die Hirnentwicklung beeinflussen können.

Die Hersteller der Mittel bestreiten einen möglichen Einfluss auf den Menschen. Aber die Geschichte lehrt leider, dass in vielen Fällen solche Einflüsse zu spät akzeptiert und die daraus folgenden Konsequenzen ebenfalls zu spät gezogen wurden.

Aber die Möglichkeit eines Einflusses auf die Entwicklung von Kindern muss ausgeschlossen sein und da verärgert es nur, wenn man auf der Webseite der Fa. Bayer, die einer der größten Produzenten ist, nur eine dürre Pressemitteilung (inzwischen von der Bayer-Webseite verschwunden) bzw. im Internet einen wohl Jahre alten Text findet. BASF klagt gegen die Einschränkung der Verwendung des Wirkstoffes Fipronil. Leider findet sich dazu auf deren Webseite dazu ebenfalls nur eine nichtssagende Pressemitteilung.

Wieso werden die von beiden Firmen behaupteten positiven Studien nicht ins Internet gestellt? Dies gilt umso mehr, als die Wissenschaftler des Bienenmonitoring, die Behauptungen beider Firmen, siehe Zitat oben, nicht bestätigen.

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