Vorratsdatenspeicherung, was sie alles über uns verrät (23.03.2014)

Mehr als sich viele träumen lassen, insbesondere jene, die nichts zu verbergen haben oder, was Sie schon immer über die Vorratsdatenspeicherung wissen wollten , aber sich nicht trauten zu denken.

Was wird gespeichert:

– Telefonnummern von Anrufer und Angerufenem
– Uhrzeit und Dauer der Gespräche
– bei Mobilfunkgesprächen die Orte von Anrufer und Angerufenem
– E-Mail- und IP-Adressen von Sendern und Empfängern
– Verbindungsdaten bei der Internetnutzung

Nicht gespeichert werden die Inhalte der Kommunikation.

Was lässt sich aus den Verbindungsdaten schließen:

Die Universität Stanford in den USA hat dazu ein Forschungsprojekt durchgeführt. Nutzer von Android-Smartphones wurden gebeten, über die MetaPhone-App von Google Play ihre Verbindungsdaten (auch Metadaten genannt) beizusteuern.

Über einen Abgleich mit 5000 aus dem so generierten Material zufällig ausgewählten Telefonnummern mit Yelp, Facebook und Google Places war es den Forschern bereits Ende vergangenen Jahres gelungen, die Namen von über 72 Prozent der damit verknüpften Teilnehmer herauszubekommen.

Nunmehr wurde diese Methode nochmals verfeinert, um 33.688 von 546 Personen gewählte Nummern genauer unter die Lupe zu nehmen. Damit konnten ohne weiteres medizinische Daten, Waffenbesitz und anderes, allein durch den Gebrauch der Telefonverbindungsdatendaten festgestellt werden.

So können bei Einzelanrufen Präferenzen und sensible Information ermittelt werden. Wenn eine Person sich über eine politische Kampagne informiert ist es wahrscheinlich, dass sie diesen Kandidaten unterstützt. Dasselbe gilt, wenn sie längere und/oder häufiger Gespräche mit einer religiösen Institution führt.

Muster wurden z.B. wie folgt erkannt:

Teilnehmer A sprach mit verschiedenen lokalen Neurologiegruppen, einer spezialisierten Apotheke und einer Hotline für Multiple Sklerose.

Teilnehmer B sprach lange mit Kardiologen eines größeren Krankenhauses, kurz mit einem medizinischen Labor, erhielt Anrufe einer Apotheke und kontaktierte immer wieder kurz eine Hotline für ein Gerät, mit dem kardiologische Störungen überwacht werden können.

Teilnehmer C rief öfter ein Geschäft an, das auf den Verkauf von halbautomatischen Gewehren spezialisiert ist. Dazu kam ein längeres Gespräch mit dem Kundendienst eines Herstellers solcher Waffen.

Teilnehmer D kontaktierte innerhalb von drei Wochen einen Heimwerkermarkt, eine Schlosserei, einen Anbieter von Hydrokultur sowie einen Headshop (damit werden kleine Ladengeschäfte bezeichnet, die Zubehör für den Konsum von Cannabis verkaufen).

Teilnehmerin E hatte ein langes Telefonat mit ihrer Schwester. Zwei Tage danach telefonierte sie wiederholt mit der örtlichen Niederlassung von Planned Parenthood (vergleichbar mit Pro Familia bei uns). Zwei kurze Anrufe gab es zwei Wochen später, einen letzten einen Monat danach.

Da muss man keine Inhalte speichern, um zu schließen, worum es geht.

Die Untersuchung umfasste wenige hundert Nutzer über ein paar Monate. Die Telefondaten der NSA und von Telekommunikationsfirmen umfassen dagegen allein in den USA Millionen von Bürgern über viele Jahre. Man kann sich an Hand der Beispiele ohne weiteres vorstellen was damit an Information über jeden Bürger möglich ist.

Die einzige Hoffnung ist, dass die Dienste an ihrem Datenwust ersticken. Aber dies ist auch das Problem, dass sie die wirklichen Gefährdungen nicht mehr erkennen.

Und dies ist Grund genug die Vorratsdatenspeicherung abzulehnen. Zu teuer, zerstört die Privatsphäre des Bürgers und ist absolut ineffizient für die wirklichen Gefahren.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.