Pause in der Klimaerwärmung oder fehlerhafte Daten?

Seit langem ist die Rede von einem Stillstand bei der globalen Erwärmung, knapp 16 Jahre sollen es inzwischen sein. Unzählige, sich teilweise widersprechende, Erklärungen haben Wissenschaftler hierfür vorgebracht. Und nun kommt eine Studie, die sagt, tschuldigung, es sind mangelhafte Daten, fehlerhafte Interpretationen der Messungen hätten die Temperaturen systematisch verfälscht.

Selbst der UN-Klimarat hat in seinem letzten Sachstandsbericht diese Pause konstatiert und eingeräumt, dass keines der Modelle dies vorhergesehen hat.

Neue Studie

Nun berichten Forscher des staatlichen Klimaforschungszentrums der USA, der NOAA, dass es diese Pause in Wirklichkeit nicht gibt. Sie sprechen von fehlerhaften Interpretationen der Messungen.

Insbesondere die Temperaturen der Weltmeere seien schwer zu bestimmen, nicht zuletzt deshalb, weil die Messmethoden variierten. Sie haben deshalb die Temperaturen seit 1998 korrigiert.

Lange sei das Wasser mit Holzeimern aus dem Meer geholt und dann gemessen worden, später mit Plastikeimern und heute werde meist direkt am Rumpf und automatisch gemessen. Außerdem hätten Bojen unter der Meeresoberfläche zu kaltes Wasser angegeben.

Auch hätten die Messungen abgelegener Regionen an Land neuerdings korrigiert werden müssen.

Außerdem werde die Erwärmung noch immer unterschätzt, weil die Arktis nur unvollständig erfasst sei.

Berücksichtige man dies alles, so habe sich das Klima zwischen 1998 und 2012 doppelt so schnell erwärmt, als die höchsten Berechnungen des UN-Klimarats ergaben.

Was bedeutet dies?

Sind damit der UN-Bericht und die vielen Studien der letzten Jahren Makulatur? Nicht zuletzt geht es hier um wissenschaftliche Reputation und Forschungsgelder.

Der Direktor des Klimadatenzentrums der NASA (GISS) meint, dass von einer Pause ohnehin keine Rede sein könne, weil der langfristige Trend eine klare Erwärmung zeige. Die neue Berechnung unterscheide sich davon keineswegs gravierend.

Der Direktor am Klimaforschungszentrum GKSS, Herr Hans von Storch, meint, dass die Studie vor allem die Qualität der Temperaturdaten insgesamt in Frage stellt. „Die Arbeit zeigt, dass selbst die wichtigsten Daten der Klimaforschung ständig überprüft werden müssen“, sagt von Storch.

„Wir sehen hier den üblichen Selbstkorrekturprozess der Wissenschaft“, sagt Herr Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie. Die Schlussfolgerung, dass die Pause der Erwärmung nicht vorhanden sei, erscheint ihm allerdings „etwas übertrieben“. Der globale Temperaturanstieg sei trotzdem über die letzten Jahre jedenfalls geringer als zuvor.

Herr Piers Foster, ein Klimadatenexperte von der University of Leeds in Großbritannien ist der Auffassung, dass man noch immer von einer Unterbrechung des Erwärmungstrends sprechen müsse: „Die neuen Berechnungen werden also nicht das letzte Wort sein.“

Herr Eduardo Zorita vom GKSS meint, dass damit die Computersimulationen noch nicht bestanden haben. Diese müssten weiter auf den Prüfstand.

Dabei haben diese in einem Test der oben genannten Forscher Marotzke und Foster teilweise bestanden. Diese haben die Klimamodelle mit Temperaturmessungen verglichen – und zwar für alle 15-Jahres-Perioden seit 1900: also zunächst die Phase von 1900 bis 1915, 1901 bis 1916 und so weiter. Allerdings passen zumindest die letzten fast 16 Jahre nicht zu den Modellen.

Die beiden Forscher erklären dies damit, dass nicht die Modelle falsch sein müssten, sondern es seien eher zufällig Schwankungen des Klimas in dieser Zeit gewesen, die die Wirkungen der Treibhausgabe vorübergehend kaschierten.

So Herr Marotzke in einem Interview: „Die Abweichung der Modelle von der Realität lässt sich mit Zufall erklären.“

Und noch einige Auszüge aus diesem Interview mit dem SPIEGEL:

„SPIEGEL ONLINE: Aber keine der 114 Simulationen des Uno-Klimarats zeigt den genauen Temperaturverlauf, für keine Zeit seit 1900. Und selbst der Durchschnitt aller Simulationen weicht beträchtlich ab. Warum geben die Modelle Ihrer Studie zufolge dennoch verlässlich Auskunft über die Klimaentwicklung?

Marotzke: Stimmt, alle Simulationen weichen ab. Die Prognosen eines Jahres für die jeweils folgenden 15 Jahren liegen meist etwa 0,3 Grad Celsius auseinander. Die entscheidende Frage ist: Können sie langfristig über den globalen Temperaturtrend Auskunft geben? Unsere Studie zeigt: Sie können!

SPIEGEL ONLINE: Könnte nicht der Zufall auch über längere Zeiträume Klimaprognosen erschweren?

Marotzke: Wohl kaum. In unserer Studie haben wir für alle möglichen Jahre seit 1900 Klimaszenarien über 62 Jahre berechnet. Irgendwann zwischen 20 und 35 Jahren tritt der Zufall in den Hintergrund – und die Wirkung der Treibhausgase setzt sich durch.

SPIEGEL ONLINE: Wenn also eine Erwärmungspause länger als 25 Jahre dauerte, sollte man tatsächlich an den Klimamodellen zweifeln?

Marotzke: Irgendwann ja, denn langfristig wird sich den Modellen zufolge das Klima erheblich erwärmen. Diese Aussage ist sehr robust, wie unsere Studie bestätigt.

SPIEGEL ONLINE: In den letzten Jahren aber lagen die gemessenen Temperaturen unterhalb der normalen Spanne. Zeigt das nicht, dass etwas nicht stimmen kann?

Marotzke: Tatsächlich scheren die Messwerte in den letzten Jahren aus, für diese Zeit lässt sich ein außergewöhnliches Ereignis nicht ausschließen.

SPIEGEL ONLINE: Was könnte passiert sein?

Marotzke: Womöglich haben ungewöhnlich starke Passatwinde vermehrt Wärme ins Meer gedrückt, was die Simulationen nicht auf der Rechnung hatten.

SPIEGEL ONLINE: Ansonsten berücksichtigen die Klimasimulationen alle Einflüsse?

Marotzke: Nein, das werden sie nie können. Aber anhand der berücksichtigten Umweltfaktoren, etwa der Treibhausgase, der Ozeane und des Wasserdampfes, scheinen sie den globalen Trend der Temperatur auf lange Sicht gut zu berechnen.

SPIEGEL ONLINE: Gleichwohl misstrauen viele Klimaforscher den Modellen, weil sie viele Umwelteinflüsse nicht berücksichtigen. Und entscheidende Faktoren wie die Wirkung der Wolken oder von Ozeanströmungen sind ungenügend verstanden. Könnten die Prognosen deshalb nicht grundsätzlich falsch sein?

Marotzke: Systematische Fehler der Modelle können wir mit unserem Test tatsächlich nicht entlarven. Machen alle Modelle den gleichen Fehler, fällt er nicht auf. Dann sehen wir im schlimmsten Fall nur, dass die Modelle von der Realität abweichen. Bislang aber sind die Abweichungen nicht gravierend. Wir sollten uns also auf eine erhebliche globale Erwärmung einstellen.“

Resümee

Der Zufall als Retter der Klimamodelle? Passatwinde, die vermehrt Wärme ins Meer gedrückt haben könnten?

Etwas viel Hypothesen, etwas viel Spekulation. Und die klare Aussage, dass die Modelle nie alle Einflüsse werden berücksichtigen können.

Dazu die weitere klare Aussage, dass systematische Fehler der Modelle mit dem Test nicht festgestellt werden können. Auch kein Widerspruch, dass die Wirkung der Wolken oder der Strömungen in den Weltmeeren bisher nicht verstanden wurden.

Aber die Abweichungen der Modelle von der Realität seien nicht gravierend.

An meiner Aussage vom 06.04.2014 hat sich nichts geändert:

„… Interessanterweise konnte man im Bericht des IPCC von 2001 auf Seite 774 lesen: “Klimamodelle arbeiten mit gekoppelten nichtlinearen chaotischen Systemen, dadurch ist eine langfristige Voraussage des Systems Klima nicht möglich.”

Bleibt die Frage, ob man auf einer so dürftigen Basis tatsächlich

– zig Milliarden EURO aufwenden will, um zweifelhafte Maßnahmen zu ergreifen
– Freiheitseinschränkungen im Namen einer unklaren Zukunft heute durchführen will

Nichts spricht dagegen Energie zu sparen oder auf Atomkraft (diese hat mit einer Klimaänderung ohnehin wenig zu tun) zu verzichten, beides bereits allein aus ökonomischen Gründen. Allerdings nicht in dem Tempo, indem interessierte Kreise dies versuchen durchzudrücken.

Aber es ist unredlich mit einer derart schwachen Datenbasis den Menschen mit erhobenem Zeigefinger einzutrichtern, dass sie den Untergang unseres Planeten befördern, wenn sie ihr Verhalten nicht ändern und auf ein Stück Freiheit verzichten.

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