Schweinswale, Kegelrobben, Windkraft und Nichtregierungsorganisationen (01.12.2014)

Okay, der Schweinswal ist kein Fisch im biologischen Sinne, sondern ein Säugetier, aber ein gutes Beispiel dafür, wie mit mehr oder weniger niedlichen Tieren unsinnige Kampagnen gefahren werden.

So wird z.B. vom BUND ohne weiteren Nachweis behauptet, dass „die größte Stellschraube zum Schutz der Schweinswale … die Fischerei (ist).“ Ein weiteres großes Problem sei der zunehmende Lärm in den Meeren: Der erhöhte Schiffsverkehr, Sprengungen von Kriegsmunition oder seismische Untersuchungen beeinträchtigten den Orientierungssinn der Schweinswale erheblich. Eine Gefahr stellten auch die Bauarbeiten für Offshore-Windanlagen dar, da z.B. die Lärmgrenzwerte bei Rammarbeiten nicht eingehalten würden.

Der Lärm beeinträchtige den Orientierungssinn der Schweinswale erheblich, führe zu Verständnisschwierigkeiten zwischen den Tieren, zu Taubheit und Tod.

Der BUND sagt, dass Untersuchungen ergeben haben, dass durch die Nichteinhaltung der Grenzwerte bei den Rammarbeiten die Hälfte der Population von Schweinswalten vertrieben werden könnte. Stutzig macht mich hier schon der Konjunktiv. Im zitierten Artikel auf der BUND-Webseite gibt es keinen Link zu diesen Untersuchungen.

Trotzdem fordert der BUND auf die Rammtechniken zu verzichten und Alternativen, die er allerdings nicht benennt, zu erproben. Ansonsten müsse er den Ausbau der Windparks kritisch sehen.

Da der BUND die Untersuchungen, auf die er sich beruft, nicht benennt, kann ich mich mit diesen nicht auseinandersetzen. Aber der BUND ist ja leider nicht die einzige NGO (Nichtregierungsorganisation), die Behauptungen in die Welt setzt, sich aber bei den zugrunde liegenden Quellen sehr bedeckt hält, ein typisches Verhalten jedweder Lobbyorganisation.

Und da läuft mir letzte Woche ein Artikel über den Bildschirm, dass der Jagdeifer der Kegelrobben eine größere Bedrohung für Wale, insbesondere Schweinswale, darstellt als bisher gedacht.

Eine niederländische Studie hat nämlich festgestellt, dass eine der Haupttodesurschaden für Schweinswale in der Nordsee die Angriffe von Kegelrobben sind.

Dass Kegelrobben Schweinswale angreifen und fressen, wurde wohl erst vor einem Jahr zum ersten Mal bewiesen. Jedoch wird seit 10 Jahren eine ständig wachsende Zahl verstümmelter toter Schweinswale an der holländischen Nordseeküste gefunden.

Die Gründe hierfür haben nunmehr Forscher des niederländischen Meeresforschungsinstituts Imares und der Universität Utrecht dargelegt. Die Untersuchung von Biss- und Kratzspuren bei toten Schweinswalen ergab, dass sich in den Wunden die DNA von Kegelrobben fand. Eine Analyse der Blutungen zeigte, dass die Verletzungen vor dem Tod der Schweinswale diesen zugefügt wurden. Weitere Untersuchungen bestätigten dies. Opfer waren vor allem gesunde, gut genährte Jungtiere mit einer dicken Fettschicht.

Schweinswale gehören zu den kleinsten Walen mit bis zu 1,80 Meter Länge und bis zu 70 Kilogramm, während Kegelrobben bis zu 2,30 Meter lang und 300 Kilogramm schwer werden.

Gem. dieser niederländischen Untersuchung sind demnach in der Nordsee die Kegelrobben für mindestens 17 Prozent der toten Schweinswale verantwortlich, weitere 20 Prozent sterben als Beifang in Fischernetzen, 18 Prozent an Infektionskrankheiten und 14 Prozent an Auszehrung.

Die Jagd der Kegelrobben kann nun dazu führen, dass die Schweinswale reiche Futtergründe meiden, um den Kegelrobben zu entkommen. Dies wäre dann ihrem Leben auch nicht zuträglich.

Aber dann habe ich zwei weitere, verstörende Untersuchungen gefunden.

So schwimmen Seehunde und Kegelrobben zur Jagd gezielt zu Offshore-Windparks in der Nordsee. Dies berichten Forscher der schottischen Universität St. Andrews. Beliebt seien auch unterseeische Pipelines. Dies wurde festgestellt nachdem man einige Tiere mit GPS-Sendern bestückte und deren Bewegungen dokumentierte.

In weiteren Studien soll nun untersucht werden, warum dies der Fall ist, wie das Nahrungsangebot im Bereich von Offshore-Windanlagen sich gestaltet.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie stellte im Oktober 2013 eine Analyse vor, wonach sich um die Anlage „Alpha Ventus“ einige Fischarten ausgebreitet haben und auch der Baulärm die Schweinswale nur zeitweise vertrieben habe.

Eine zweite Studie aus Kalifornien bestätigt diese Beobachtungen an Hand von Öl- und Gasbohrinseln. Dort vermehren sich Fische um ein vielfaches mehr als in anderen Lebensräumen.

„Öl- und Gasplattformen vor der Küste Kaliforniens haben die höchste sekundäre Fischproduktion pro Fläche Meeresboden von allen Meereslebensräumen, die bisher untersucht wurden“, schreiben Biologen vom Occidental College in Los Angeles im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Science„. Die Fische gedeihen an den Plattformen demnach 27-mal besser als an den Felsriffen der Region und im Durchschnitt zehnmal besser als in anderen Lebensräumen.

Anscheinend bieten die vielen Querverstrebungen sehr viel Oberfläche für wirbellose Tiere, die Nahrung für Fische sind. Und sie bieten wohl Schutz vor größeren Raubfischen.

Einige ausgediente Anlagen sind bereits als Meeresschutzgebiete ausgewiesen.

Fazit

Die Welt ist nicht so eindimensional wie sich manche NGO das vorstellt und besorgten Bürgern weiszumachen versucht. Viele NGOs denken leider in denselben Mustern wie Ihre Widersacher, die althergebrachten Lobbyverbände. Sie sind nicht in der Lage oder Willens vernetzt zu denken und die Wechselwirkungen verschiedenster Dinge zu berücksichtigen.

Zugegeben, dies ist kompliziert und erlaubt selten einfache Lösungen und noch weniger einfache Losungen, die sich so gut machen beim Buhlen um Spenden.

Es hilft aber denjenigen, denen die NGOs helfen wollen, erst recht nicht. Oder was bringt es dem Schweinswal, wenn keine Pfähle für Windräder in den Boden gerammt werden, wenn er von der Kegelrobbe gefressen wird?

 

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