Gentechnik, Risiko oder Chance? (23.02.2014)

Für die einen ist Gentechnik in der Landwirtschaft der absolute Heilsbringer, für andere der Satan persönlich. Beides ist schlicht falsch, und zeugt nur davon, dass die jeweiligen Protagonisten nicht willens oder nicht in der Lage sind differenziert zu denken.

Merkwürdig ist bereits, dass die leidenschaftlichen Gegner der Gentechnik in der Landwirtschaft, der sog. grünen Gentechnik, still schweigen bei gentechnisch hergestellten Medikamenten, der sog. roten Gentechnik. Ebenso ist es interessant, dass bei Umfragen die Menschen sich mehrheitlich gegen die grüne Gentechnik aussprechen, die rote Gentechnik aber positiv beurteilen. Dies liegt sicher auch daran, dass von Seiten der Befürworter der grünen Gentechnik völlig unhaltbare Versprechungen gemacht wurden , während die rote Gentechnik erste Erfolge vorstellen konnte.

Ich will mich deshalb auf die grüne Gentechnik beschränken und mir Gedanken zu diesen fundamentalistischen Haltungen machen. Zu der Haltung einerseits, dass die Gentechnik jeden Hunger beseitigen könne und der Haltung andererseits, dass Pflanzen und Tiere sowie die Gesundheit der Menschen geschädigt würden. Letzteres wird vor allem mit möglichen Allergien sowie dem Einbau von Antiobiotikaresistenzgenen in Pflanzen begründet.

Beide Seiten spielen mit den Ängsten der Menschen und blenden bei ihren Behauptungen die Realität aus, es geht um Lobbytum und um Macht sowohl von Seiten der Agrarkonzerne wie Monsanto oder Bayer, aber auch von Seiten der Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace oder dem BUND.

Leider kann in einem Blog diese Thematik nicht in der erforderlichen epischen Breite und Tiefe behandelt werden. Deshalb greife ich nur einige Punkte heraus. Auszugehen ist dabei von einer wachsenden Weltbevölkerung, die genug Nahrungsmittel erzeugen muss, die gesund und umweltverträglich sein müssen.

So wäre z.B. zu unterscheiden zwischen pflanzengiftresistenten Pflanzen und insektenresistenten Pflanzen. Erstere haben Gene erhalten, dass ihnen Pestizide oder sonstige Pflanzenschutzmittel auch in hoher Dosis nicht schaden, letztere erzeugen selbst ein Mittel, dass Pflanzenschädlinge zu Tode bringt. Schon diese Differenzierung fällt in der meist wüsten Diskussion unter den Tisch.

Bei den pflanzenschutzresistenten Pflanzen habe ich selbst Zweifel, ob es der Weisheit letzter Schluss ist, Pflanzen herzustellen, die es überleben, dass die Schädlinge mit hohen Dosen Gift besprüht werden. Zum einen scheint auch mir dies schädlich für Menschen und Natur zu sein, zum anderen werden sich dabei in kürzester Zeit resistente Schädlinge entwickeln, die dann wieder neu bekämpft werden müssen.

Bei den insektenresistenten Pflanzen (sog. Bt-Gifte) kann man dies anders sehen. Das eingebaute Gen kommt ohnehin in Bakterien im Boden vor. Da die Pflanze es selbst erzeugt, wird der Einsatz von Gift eher reduziert werden können.

Hier gibt es jedoch die Diskussion darüber, ob die in diesen Genpflanzen angereicherten Bt-Gifte für nützliche Insekten, sprich Bienen oder Schmetterlinge, schädlich sein können. Eine Metastudie der Santa Clara Universität in Kalifornien ergab schon vor Jahren, dass diese Nützlinge hierdurch deutlich weniger geschädigt werden als auf Äckern die mit Insektenvernichtungsmitteln besprüht werden. Nur bei absolutem Verzicht auf solche Insektizide geht es den Nützlingen besser, allerdings fallen dann auch die Ernten deutlich geringer aus.

Lassen Sie mich als weiteres Beispiel noch den Goldenen Reis erwähnen. Eigentlich ist er gelb und mittels Gentechnik ist es gelungen den Vitamin A-Gehalt in diesem Reis zu erhöhen. Jährlich sterben oder erblinden ca. zwei Millionen Menschen – vorwiegend Kinder – wegen Vitamin-A-Mangels. Die Zahlen liegen in anderen Quellen noch höher. Eine halbe Tasse täglich von diesem Reis könnte dies verhindern.

Am vehementesten wehrt sich Greenpeace gegen diesen Reis. Greenpeace bevorzugt es Vitaminpräparate an die Menschen zu verteilen. Ich sage es mal deutlich, dies ist eine typische Lösung der Gutsituierten: Lasst uns den Armen etwas abgeben von unserem Reichtum, hier durch Präparate, die von den reichen Ländern über die üblichen Hilfsorganisationen bezahlt werden, statt den Menschen die Möglichkeit zu geben über ihr Schicksal selbst zu entscheiden, ob sie diesen Reis verzehren wollen oder nicht. Es wäre ja auch eine Schande, wenn diese Menschen sich selbst ernähren könnten und diverse Hilfsorganisationen überflüssig würden.

Dass Testfelder auf den Philippinen zerstört wurden, sei nur am Rande erwähnt.

Aber es gibt inzwischen heftigen Gegenwind für die Kampagne von Greenpeace. Herr Patrick Moore, ein einstiger Mitgründer von Greenpeace setzt sich für den Goldenen Reis ein. Das Saatgut würde gratis an die Bauern in Südostasien und Afrika abgegeben. Die Aussage von Greenpeace, der Reis sei nicht getestet worden, nennt er „schlicht eine Lüge. Er wurde an Erwachsenen und Kindern in den USA und China getestet. Und auf Feldern in Bangladesch, Vietnam und auf den Philippinen angepflanzt – damit es auch lokale Variationen gibt.“

Die Befürworter des Goldenen Reis haben sich als Organisation „Allow Golden Rice Now“ zusammengeschlossen. Im April dieses Jahres wollen sie wieder in Europa direkt aktiv werden. Vielleicht wird Greenpeace seine Meinung ändern, bei der Atomkraft hat es ja in seinem Magazin bereits ein Interview mit einem bedingungslosen Anhänger der Atomkraft veröffentlicht.

Was die gesundheitlichen Risiken für Menschen angeht, gibt es viele Befürchtungen und angstschürende Äußerungen, aber es gibt keine seriöse Studie, die dies nachgewiesen hätte, soweit es um die angesprochenen Bt-Pflanzen geht.

Fazit: Weg mit den ideologischen Scheuklappen und die Fakten diskutiert. Und nicht den Menschen Ängste aufreden, die weit jenseits der Realität sind. Vor allem aber den Allmachtsanspruch einzelner Nichtregierungsorganisationen in Frage stellen. Diese bedrohen die Freiheit der Menschen genauso wie Regierungen oder altbekannte Lobbyverbände der Industrie.

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