Sperren im Internet (18.08.2013)

Ich habe mich bereits am 28.07. und 04.08.2013 mit den Ideen des britischen Premierministers Cameron zu Sperren im Internet befasst und die Problematik deren ständiger Ausweitung und Unberechenbarkeit dargestellt.

Nun läuft mir diese Woche wieder ein besonders absurdes Beispiel zu diesem Thema über den Weg. In der British Library in London waren die Werke eines gewissen Herrn Shakespeares gesperrt.

Ein Buchautor wollte ein Zitat aus dem Hamlet überprüfen. Er wollte dazu die Seite des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA aufrufen, das Shakespeares Werke digitalisiert und frei abrufbar gemacht. Er konnte jedoch darauf nicht zugreifen, weil ihm freundlich mitgeteilt wurde, dass die gewünschte Seite „wegen gewalttätigen Inhalts“ blockiert sei. Auch weitere Versuche halfen nicht, er wurde vielmehr darauf hingewiesen, dass diese Versuche, gewalttätige Inhalte aufzurufen, protokolliert würden.

Anfragen an die Bibliothek halfen nichts. Erst als er sein Erlebnis twitterte, wurde Shakespeare wieder freigeschaltet. Im Rahmen einer Presseerklärung sagte die British Library, dass man im öffentlichen Bereich bestimmte Inhalte filtere, insbesondere Pornographie und Spiele. Einige Seiten seien irrtümlich gesperrt worden. Aber kein Wort dazu was alles weggefiltert wird.

Dabei erwarte ich doch gerade in einer Bibliothek einen vollständigen Überblick über die Veröffentlichungen, insbesondere wenn sich diese rühmt alles in Großbritannien gedruckte (die Bibliothek hat einen Bestand von 150 Millionen Büchern) und digitalisierte Material zu besitzen. Und Shakespeare gehört ja wohl dazu.

Ich finde es unglaublich, dass hier einfach gefiltert wird, ohne dass die Benutzer darauf hingewiesen werden, dass im Endeffekt ein korrektes wissenschaftliches Arbeiten nicht mehr möglich ist.

Dies bestätigt meine Auffassung, dass Filter Zensur sind. Noch schlimmer wird dies dadurch, dass nicht mitgeteilt wird, was zensiert wird. Es darf davon ausgegangen werden, dass dies im Zweifel immer mehr ausgeweitet wird. Gründe, wie die Bekämpfung des Terrorismus oder der Kinderpornographie, finden sich immer. Dass die Filterung dagegen nichts hilft, interessiert nicht. In Wirklichkeit geht es um die Beschränkung der Freiheit des Bürgers und um seine Überwachung.

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